2005: Dreidimensionale Dokumente

1. Oktober 2005 - August 2010

Kaum bekannt ist die historische Bedeutung von Moulagen in der dermatologischen Forschung, die durch die grosse Anzahl aufwändig hergestellter Moulagen von Forschungsresultaten und Abbildungen von Moulagen in Fachzeitschriften und Handbüchern belegt wird. Moulagen von Tierversuchen und von Testungen an Probanden und Patienten legen aber auch nahe, dass die Wachsmoulage nicht nur zur Illustration einer möglichen Publikation, sondern auch zur Verlaufsdokumentation und für Vergleiche von Resultaten und Reaktionen im Forschungslabor selbst hergestellt wurde.

Die Forschung an der Dermatologischen Klinik in Zürich

Der Einsatz von Moulagen in der dermatologischen Forschung zwischen 1900 und 1950 ermöglicht es uns auch heute, besondere Einblicke in die damaligen Fragestellungen und Probleme zu gewinnen. Die Befunde sind so täuschend lebensecht festgehalten, wie dies bis heute mit keinem anderen bildgebenden Medium übertroffen werden konnte. Neben aussergewöhnlichen Befunden und Krankheitsbildern, die damals zum ersten Mal beschrieben und von anderen Krankheiten abgegrenzt wurden, finden sich Moulagen zu Tierversuchen und Selbstversuchen der Forscher sowie auch von Testungen und Therapieversuchen an Patienten. Die Moulagen liefern ein lebendiges Bild der damaligen Probleme, mit denen die Spezialisten für Haut- und Geschlechtskrankheiten konfrontiert waren, und ihrer Theorien und Möglichkeiten, mit denen sie nach Lösungen suchten.

Patienten mit Hautkrankheiten

Moulagen zeigen Nachbildungen von krankhaften Hautveränderungen, sie bilden ausgewählte Körperareale von Patienten ab. Die Moulage allein ist eine visuelle Momentaufnahme ohne weiteren Zusammenhang. Leider sind die Krankenakten zu den abgebildeten Personen nicht mehr erhalten. Während es bei Darstellungen für den Unterricht in der Dermatologie darum geht, möglichst krankheitstypische, „universell geltende“ Befunde festzuhalten, bei denen bewusst der Bezug zur abgebildeten Persönlichkeit ausgeblendet wird, zeigen die Moulagen aus der Forschung den besonderen Einzelfall und betonen individuelle Unterschiede. Patienten werden in publizierten Fallgeschichten oft mit ihrer Krankengeschichte vorgestellt, die auch die Vorgeschichte und andere Aspekte aus der persönlichen Geschichte (Anamnese) und manchmal Hinweise auf Therapieversuche und den weiteren Verlauf aufzeigt. Mit diesen Details gelingt es, im Museum die Schicksale hinter den realistischen Darstellungen noch besser zu erkennen.     

Ausstellung: Dr. M. Geiges, Fr. med. pract. R. Holzer